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Einleitung |
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| Themen und Motive des Gesamtwerks | |
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Wir konzentrieren uns in diesem Kurs lediglich auf eine bestimmte Phase im Werk Foucaults: die Machtanalyse (Genealogie). Um also diese Einseitigkeit wieder relativieren zu können, mag es von Vorteil sein, das Thema 'Macht' im Gesamtwerk zu verorten. Dies soll hiermit versucht werden. Foucault als Geschichtsphilosoph Die Auseinandersetzung mit Geschichte: was ist Geschichte, wie lassen sich geschichtliche (und soziale) Veränderungen denken, bestimmt Foucaults gesamtes Werk, sie liefert einen beständig präsenten Hintergrund für seine Themen. Er beruft sich dabei auf eine Einsicht, die im 19 Jahrhundert erstmals exzessiv formuliert wurde und uns wohl nach wie vor plausibel ist: Der Mensch ist ein unaufhebbar geschichtliches Wesen. Die Art und Weise wie er, der Mensch, die Welt und sich selbst begreifen kann, ist notwendig an seine jeweilige historische und soziale Position gebunden. Dieser Einsicht ist eindrucksvoll stattgegeben im Werk von Marx und zwar, indem Marx Erkenntnisleistungen konsequent auf Klasseninteressen zurückführt (auf die soziale Lage des Erkennenden). Sie ist eine Voraussetzung für die moderne Hermeneutik: Denn das Verstehen wird nur dann zu einem Problem und bedarf einer besonderen Methodik, wenn die Menschen als historisch und sozial individualisiert gedacht werden können. Sie ist jeder psychoanalytischen Bemühung implizit, gerade dann, wenn die problematische Existenz des Einzelnen als Resultat einer besonderen Sozialisation erscheint etc. In all diesen Szenarien: den politisch-ökonomischen, psychoanalytischen, hermeneutischen etc. erscheint der Mensch in der paradoxen Gestalt eines Begründeten Begründers. Das heißt das, was er überhaupt tun und denken kann, ist Resultat einer sozialen und historischen Position (einer Sprache, einer Begehrensstruktur, einer Arbeitswelt etc.), in die er hineingeboren wird und die er aber zugleich begründet durch sein Begehren, Sprechen, Arbeiten. In anderen Worten: der Mensch spricht, begehrt, arbeitet und wird von diesen, seinen eigenen Leistungen begründend überholt. Foucault aber knüpft an diese Einsichten auf eine sehr spezifische Weise an. Sie sind für ihn keine Wahrheiten, die lange gesucht und im 19. Jahrhundert endlich gefunden und ausformuliert werden konnten, sondern sie sind Effekte einer Veränderung der Regeln nach denen Erfahrung und Erkenntnisse gemacht werden müssen. Diese Art zu problematisieren also, diese Weise der Perspektivierung der Welt ist selbst, so Foucault, nur eine historische Episode und wird vergehen bzw. anderen Perspektivierungen weichen. Die Erkenntnis der unaufhebbaren Geschichtlichkeit ist damit weder eingebunden in eine Fortschrittsgeschichte: endlich gefundene Wahrheit, noch in eine Verfallsgeschichte: eine Entfremdung des Menschen in der Moderne, sondern 'schlicht' eine andere Weise der Erfahrung und Erkenntnis. Diese Sicht hat Folgen: Wenn Geschichte nicht mehr als Fortschritts- oder Verfallsgeschichte, also nicht mehr als kontinuierliche Geschichte gedacht wird, dann kann der Mensch nicht mehr als souveränes Subjekt in Erscheinung treten, als ein Subjekt, das seine Herkunft kennt und seine Einsichten und Fertigkeiten akkumuliert und vervollständigt. Der Mensch kann nur das sein, als was er sich jeweils zu denken vermag. Und wie er sich jeweils zu denken vermag, ist ihm vorgegeben durch unpersönliche Regeln, die Erfahrung und Erkenntnis leiten und die eine eigene diskontinuierliche Geschichte haben. Foucault unterscheidet für die Geschichte der Neuzeit grob drei, nicht auseinander herleitbare Epoche: das Zeitalter der Ähnlichkeit (Renaissance, etwa 16. und 17 Jahrhundert), das Klassische Zeitalter (Aufklärung, etwa 17. und 18. Jahrhundert) und die Moderne (etwa ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert). 'Diskontinuierliche Geschichte' und 'regionale Subjekte' verweisen aufeinander und sie sind die großen Themen, denen Foucault bei jeder Neuorientierung dennoch treu bleibt und die seine beiden großen Projekte bestimmen: Die Archäologie und die Genealogie. Die Archäologie sucht die anonymen Regeln zu rekonstruieren, die Sprechen, Denken und Erfahrung jeweils leiten bzw. geleitet haben. Die Genealogie versucht, ihre Genese auszuzeigen. |