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Einleitung |
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| Themen und Motive | ||
| Ethik | ||
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In Verteidigung
der Gesellschaft (Vorlesungen von 1976) Ein,
vielleicht das wichtigste Augenmerk der Kritik an Foucault bezieht sich
auf seine hartnäckige Dekonstruktion des souveränen Subjektes.
Honneth verdeutlicht dies im Vergleich mit Theodor W. Adorno. Dieser setze ein ursprüngliches Individuum voraus, dessen leiblich-physisches Verhaltenspotential durch die moderne Gesellschaft diszipliniert und normiert wird. Diese Prämisse ermögliche es jedoch, mit Bezug auf dieses Verhaltenspotential, von Befreiung zu sprechen, der Kritik ein 'Hinterland' zu verschaffen. Für Foucault hingegen sei das Individuum, selbst oder gerade wenn es sich als ein unterdrücktes Individuum begreift, ganz Produkt der Macht bzw. der Diskurse. Foucault, so Honneth, nähere sich damit dem kalten Blick Luhmanns: Jede Kritik ist von der Macht selbst ermöglicht und ihrer Rationalität von Nutzen. Es gäbe eben kein ethisches Kriterium mehr. Foucault war sich sicher der Möglichkeit einer solchen Lesart bewusst. Die Suche nach ethischen Kriterien, die Frage nach der Möglichkeit des richtigen bzw. angemessenen Lebens, hat ihn Zeit seines Lebens umgetrieben. Dies hat einen Niederschlag gefunden in seinem praktischen-politischen Engagement (vgl. Biographie) als auch in einer Vielzahl kleinerer Schriften (vgl. oben) und schließlich ist es das zentrale Thema seines Spätwerks geworden ("Der Gebrauch der Lüste" und "Die Sorge um sich" 1984). Foucault arbeitete 'seine Ethik' jedoch nicht im Widerspruch zu seinen Hauptwerken, sondern parallel dazu aus. Für ihn gab es den Widerspruch nicht, den Honneth in konstatiert. Denn dieser Widerspruch beruht, so meinen wir, auf einem Missverständnis von Foucaults Machtkonzept. Honneth scheint Foucault einen Machtbegriff zu unterstellen, der Macht als etwas bloß Repressives annimmt. Dann zeigt er auf, dass es bei Foucault nichts mehr gibt, was überhaupt unterdrückt werden könnte. Für Foucault ist Macht aber eben nicht repressiv, sondern neutrale Konstituionsbedingung von Gesellschaft, ein vitales, produktives Kräfteverhältnis, das es u.a. den Individuen ermöglicht, sich als Indidividuen zu begreifen. In "Der Gebrauch der Lüste" 1984 entwickelt Foucault ein Konzept von Freiheit, sozusagen im 'Inneren dieser Macht'. Er geht dazu zurück auf die griechische Antike und untersucht, wie die Individuen gehalten waren, auf sich selbst und auf ihre Lüste zu achten.
Seine Schlussfolgerung ist, dass es nicht lediglich die ewige Gegenwart der großen Verbote gibt: Homosexualität, Ehebruch, Masturbation etc., sondern sehr verschiedene Arten und Weisen sich zu fügen. Zentrale Frage, und damit ein mögliches ethisches Kriterium, ist für ihn: Gelingt es den Individuen durch die Art und Weise, in der sie Folge leisten, sich dennoch als Subjekte ihres Verhaltens zu konstituieren. In den Arten und Weisen sich zu fügen und in den "Systemen" dieser Arten und Weise taucht die diskontinuierliche Geschichte und tauchen die regionalen Subjekte wieder auf. Gab es zuvor verschiedene Ordnungstrukturen des Wissens bzw. verschiedene Machttypen, so erscheinen jetzt unterschiedliche Arten von Freiheit. Die in der Moderne jeweils mögliche Freiheit sucht Foucault vor allem in seinen kleineren Artikeln, Vorlesungen und Interviews zu umreißen. Hier entwickelt er auch ein Konzept von Widerstand (in Abgrezung zu Marx), das auf die großen Utopien verzichtet und für ein lokales und am konkreten Problem orientiertes Engagement plädiert. Und mit diesem Plädoyer scheint er eine Entwicklung der späten 90er Jahre vorweggenommen zu haben. Die Art und Weise beispielsweise, wie die globalisierungskritische Attac - Bewegung agiert und sich organisiert, weist erstaunliche Parallelen auf, zu der Art von Widerstand, die Foucault entworfen hat. |
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